November 2007


In einer Textzeile von Reinhard Mey heißt es einmal: „Wir haben nur dies eine kurze Leben…„Ich erlebe gerade das Gefühl, dass ich in diesem Strom gefangen bin, der sich „Zeit“ nennt. Ich spüre, wie die Stunden, Tage, Wochen, Monate und Jahre zwischen meinen Fingern zerrinnen. Ich setze mir Ziele für die Zukunft und vergesse dabei, jetzt zu leben. Jetzt organisiere ich, um dann – irgendwann in der Zukunft – etwas zu erreichen. Aber wenn ich mich nicht ändere, werde ich das Erreichte nicht genießen können, weil ich schon wieder damit beschäftigt sein werde, zu planen und zu organisieren…Heute bin ich 34. Ich lebe ziemlich am Puls der Zeit, bin immer ausgestattet mit der neuesten Technik, finde immer Dinge, die alles noch besser, einfacher machen. So türme ich rund um mich Dinge auf, die sich letztendlich als wertloser Tand erweisen, weil sie mir den Blick auf das Wesentliche im Leben verstellen. Zum Beispiel den Blick auf meine Kinder.Frère Roger, der Gründer von Taizé, ermutigt zu einem spartanischen Leben. Ausmisten und Entrümpeln sind Wege zu einem erfüllten Leben, nicht Anhäufen und Konsumieren. Warum ist das so schwer, welchen Zwängen bin ich ausgesetzt, die mir den Verzicht so schwer machen?Zeitqualität – darauf muss ich achten.Zwar kann man nicht einfach sagen, dass die Qualität der Zeit das einzig entscheidende ist. Gerade wenn es beispielsweise um das Leben mit Kindern geht, ist auch die einfache aber ständige Präsenz auch besonders wichtig. Aber trotzdem sollen wir den Stunden, die verstreichen, einen Wert geben, der ihnen etwas Besonderes verleiht.  

Ich habe eine Leidenschaft! Alte Musik.Natürlich liegt es nicht am Alter der Musik, die ich höre, ob sie wirklich gut ist oder nicht. Aber ich stoße immer wieder auf Schätze, die mich im innersten bewegen können, weil sie so schön sind.Wer das Ensemble noch nicht kennt, dem lege ich die Internet-Seiten von „Accordone„ ans Herz. Die Hörbeispiele sind verzaubernd. Si dolce è ‘l tormento habe ich gehört, es war zum verrückt werden schön. Accordone hat einen fantastischen Zugang zu dieser Musik. Sie wird nicht im Glasschurz präsentiert sondern hat Leben in sich. Ihre Musik sprüht.Mir ist aufgefallen, wie nahe manche Stücke alter napolitanischer Musik zum Beispiel an kubanischer Musik liegen, wie sie z.B. der Buena Vista Social Club lebt.Kennengelernt habe ich Accordone durch die CD „Il Sogno d’Orfeo. Das pralle Leben!Ein Tipp:Bernhard Trebuch präsentiert in der Reihe „Alte Musik neu interpretiert“ jeden Dienstag Abend um 19.30 in „Ö1„ musikalische „Schmankerl“, hier bin ich schon oft fündig geworden.

Ich lese schon seit einiger Zeit das Buch „Angriff auf die Vernunft“ von Al Gore. Es ist wirklich jammerschade, dass sich damals, als Al Gore gegen Bush angetreten ist, der Falsche durchgesetzt hat. Wie konnte das nur passieren. Es lohnt sich, hier ein wenig über vergossene Milch zu klagen.Mit George Bush ist ein wirklicher Verbrecher an die Macht gekommen. Ich will jetzt nicht die einzelnen Argumente des Buches anführen, die beispielsweise im Kontext des Irak-Krieges genannt werden. Quintessenz ist jedenfalls, dass Bush zig-Tausende Menschenleben auf dem Gewissen hat. Er hat einen Krieg vom Zaun gebrochen, aus Fanatismus wie mir scheint. Gore schreibt, Bush hätte diesen Krieg ohne Rechtfertigung geführt. Was wollte er eigentlich. Das Werk seines Vaters vollenden. War das für ihn der „Nutzen“ aus den Anschlägen vom 11. September 2001? Wie zynisch! Schickt tausende Soldaten in einen ungerechten Krieg. Bringt unsägliches Leid über Millionen und sitzt in seinem Sessel in Washington, ein echter Cowboy, nur leider mit ziemlich wenig Grips in der Birne.Das Buch von Al Gore ist wirklich empfehlenswert. Es öffnet die Augen. Es schafft auch Verständnis für die Notwendigkeit mündiger Bürger in einer funktionierenden Demokratie. Beleuchtet kritisch die wichtigen Informationskanäle und zeigt die Problematik eindirektionaler Medien wie v.a. dem Fernsehen.Das Buch macht auch misstrauisch gegen die Mächtigen. Eine Empfehlung wirklich wert. 

Manchmal kommen einem die einfachsten und wirkungsvollsten Gedanken wie im Schlaf! Heute zum Beispiel, beim Durchsehen der Post, da war wieder einer:Ich habe mich mit einem Mal gefragt, ob die einzelnen Dinge wertvoll genug sind, dass ich sie an mich heran lasse.Immerhin bin ich Chef einer Firma mit einigen Mitarbeitern, mehrfacher Familienvater. Ich hab immer genug zu tun. Und dann kommt da ein Mail, das keinen Wert hat. Ich bin nicht bereit, meine kostbare Zeit damit zu vergeuden.Wie sonst bringe ich Qualität in mein Leben, wenn nicht durch sorgfältiges Aussortieren der Dinge, die mich beschäftigen dürfen?Ich beschäftige mich natürlich schon lange genug mit Zeitmanagement, ich weiß, dass ich gerade NACH-DENKE, was andere schon vor mir gedacht haben. Aber bei der Verinnerlichung von Ideen, Konzepten und Lebensentwürfen sind wir menschliche Wiederkäuer. Wir verzehren, was uns geboten wird, vermengen es mit unseren eigenen geistvollen „Säften“ und fördern es wieder zu Tage. Als unsere Gedanken.Zu langweiligen, streitsüchtigen, anmaßenden oder sonst wie lästigen Menschen sage ich ab jetzt: Störe meine Kreise nicht.Was mich nicht weiterbringt, was nutzlos ist, das lasse ich nicht zu, das werfe ich weg. Manchmal mit einem Lächeln, manchmal aber auch durchaus unfreundlich und endgültig.