Im Laufe meines bisherigen Lebens bin ich immer wieder dem begegnet, was landläufig als Tratscherei bezeichnet wird, jedoch in vielen Fällen nichts anderes ist als Rufmord oder böse Verleumdung. Ich habe erlebt, wie die verrücktesten Geschichten in bestimmten Umgebungen fruchtbaren Boden fanden und zu einer heimtückisch giftigen Pflanze heranwachsen konnten.

Eine gute Freundin von mir – sie ist selbst vielfach Opfer derartiger Vorgänge – sieht in dem dahinter liegenden Mechanismus das gleiche Prinzip, dem früher Hexenverfolgungen und Ketzerei folgten. Anfangs habe ich das als Unsinn abgetan, aber ich beginne mehr und mehr zu begreifen, welch effiziente Waffe die Verleumdung im Kampf gegen unerwünschte Mitmenschen sein kann.

Das tiefste Motiv, das der Verleumdung aus meiner Sicht zu Grunde liegt, ist der Neid. Dem Reichen wird Unlauterkeit unterstellt, der Schönen Hurerei, dem Frommen Scheinheiligkeit. Dabei verleumdet meist derjenige, der sich am jeweils anderen Ende des Spektrums befindet. Also der Arme oder Erfolglose, die Hässliche usw…

Ich gebe zu, dass ich die Tratscherei, die sich ja in den meisten fällen aus der Verleumdung nährt, lange Zeit eher den Frauen zugeordnet habe. Das sehe ich heute auch selbst als unfaire Vorverurteilung eines Machos, der es eben nicht besser wurde. Das tut mir leid. Heute weiß ich, dass Frauen wie Männer tratschen. Es macht keinen Unterschied.

Warum nehmen wir so dankbar Geschichten an, die den anderen in einem schlechten Licht erscheinen lassen? Warum ist Schadenfreude die reinste Freude? Befinden wir uns alle in einem lebenslangen Wettkampf, in dem diejenigen, die nicht für uns sind, gegen uns sind? Ein Wettlauf, bei dem jedes Mittel recht ist um zu gewinnen? Eine Vorstellung, die mir recht anstrengend und mühsam erscheint.

Wer den anderen verleumdet oder “ausrichtet”, um ihn sozial damit vielleicht schlechter zu stellen, erhofft sich damit wohl für sich selbst eine bessere Position. Das heißt, die Verleumdung oder die Tratscherei muss an der Person des jeweils anderen einen größeren Schaden anrichten, als an der eigenen Person. Es ist ein durch und durch destruktives Spiel, bei dem am Ende alle verlieren.